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Gründungsphase
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Die evangelische Schwesternschaft Ordo Pacis wurde 1953 von sechs Frauen gegründet. Der Gründung war ein mehr als zwanzigjähriger Prozess von Vorüberlegungen vorausgegangen. Angefangen hatte es mit der Berneuchener Bewegung, einer Reformbewegung aus den 1920er Jahren, die sich für Gemeindeaufbau innerhalb der evangelischen Landeskirchen und für eine liturgisch geprägte persönliche Frömmigkeit und Seelsorge einsetzte. Innerhalb dieser Bewegung hatte sich 1931 die Evangelische Michaelsbruderschaft als reine Männergemeinschaft gegründet – und damit die „Frauenfrage“ ausgelöst, die sehr verschieden beantwortet wurde und deren Klärung Jahrzehnte dauerte. Ordo Pacis verdankt sich einem Kreis von Frauen, die ihren Weg in einer eigenen Gemeinschaft sahen. Frauen aller Lebensformen aus dem ganzen deutschen Sprachraum sollten in Ordo Pacis einen Platz finden können, wenn sie zu einem Leben des Gebetes berufen seien.
Die Offenheit für „Frauen aller Lebensformen“ war noch in den 1950er Jahren sehr ungewöhnlich. Denn als kirchlich akzeptierter Normalfall galt die Ehefrau und Mutter, nach dem Krieg auch häufig die Witwe. Berufstätigen unverheirateten Frauen wurde in Kirche und Gesellschaft oft mit Misstrauen oder Mitleid begegnet. Es war ungewöhnlich, dass diese beiden „Stände“ gemeinsam in einer Schwesternschaft waren. Als dritte Lebensform, an die in der Gründungsphase gedacht war, kam die Kommunität hinzu. 1956 wurde die Kommunität „Cella St. Hildegard“ gegründet, in der einige Schwestern gemeinsam nach Art eines Klosters lebten, beteten und arbeiteten. Innerhalb der Schwesternschaft waren alle Schwestern unabhängig von ihrer Lebenssituation gleichberechtigt.
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Zwei Brennpunkte
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In der Kommunität lebten einige Schwestern an einem gemeinsamen Ort. In der „Zerstreuung“ lebten einzelne Schwestern in Beruf oder Familie, räumlich oft weit entfernt von der nächsten Schwester. Das waren von 1956 bis 2003 die beiden „Brennpunkte“ der Gemeinschaft. Sie ergänzten einander, und sie sollten ohne Hierarchie unter einer Leitung, die von allen gewählt wurde, im Gebet leben.
Die Kommunität war ein Magnet für Besucherinnen und Besucher, auch eine Anlaufstelle für Interessentinnen. Obwohl die Schwestern in der Kommunität immer die kleinere Gruppe waren, bestimmten sie lange die Außenwahrnehmung der Gemeinschaft. Durch die Kommunität entstanden wichtige Kontakte zu anderen Gemeinschaften, die die Spiritualität von Ordo Pacis prägten. Hier sind besonders die Communauté de Grandchamp in der Schweiz und die Sisters of the Love of God in England zu nennen. Impulse aus diesen Gemeinschaften haben dazu beigetragen, dass Schweigen, Retraiten und das kontemplative Beten in Ordo Pacis eine große Rolle spielen.
Die Schwestern der Kommunität „Cella St. Hildegard“ haben sich getrennt, weil sich für die klösterliche Lebensform kein Nachwuchs fand und sie aus Altersgründen das Leben im gemeinsamen Haus so nicht weiter führen konnten.
Von 1997 bis 1999 gab es auch in der DDR bzw. in Ostdeutschland einen Ort der Kommunität. In Schlöben (Thüringen) entstand so ein Haus der Stille.
Die Schwesternschaft als ganze möchte sich ihre Offenheit für kommunitäres Leben bewahren. Während das Haus in Schlöben wieder in die Verantwortung der Ortsgemeinde überging, übernahm die gesamte Schwesternschaft die Verantwortung für das Haus, in dem die Cella St. Hildegard gelebt hatte. Es wird nun als Haus der Stille und Begegnung weitergeführt.
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Ost und West
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Die Gründungsphase der Schwesternschaft begann im Deutschen Reich, sie setzte sich fort in der Unsicherheit der Nachkriegsjahre. Als es Ordo Pacis dann tatsächlich gab, gab es zwei deutsche Staaten, aber noch keine Mauer zwischen ihnen. Die Entwicklung der beiden deutschen Staaten erforderte immer wieder kreative Lösungen. Nachdem die Reisemöglichkeiten schwieriger geworden waren, fand das jährliche Treffen aller Schwestern in Ost-Berlin statt, die Schwestern aus Westdeutschland übernachteten in West-Berlin und fuhren täglich mit Tagesvisum zum Tagungsort im Osten.
Zur Gemeinschaft gehörten immer Frauen aus Ost und West, viele mit Ost-West-Biografien: eine Gründungsschwester aus Württemberg, die nach dem Krieg in Ost-Berlin blieb, eine Dresdnerin, die in Heidelberg lebte... Nach der Wiedervereinigung gingen mehrere Schwestern aus dem Westen aus verschiedenen Gründen nach Ostdeutschland.
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