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Wer sind wir als Ordo Pacis sind, was tun wir, was ist unsere Aufgabe und wie drückt sich die Gemeinschaft unter den Schwestern konkret aus? Die meisten von uns leben weit auseinander, und es wäre schwierig, Unterscheidungsmerkmale zu nennen, an denen man eine Ordo Pacis Schwester eindeutig erkennen kann. Wir haben auch keine gemeinsame Aufgabe im Sinn eines sichtbaren Dienstes. Was ist es denn dann, was uns zu einer Gemeinschaft macht und was ist unsere Aufgabe, unser Auftrag?
„Gott hat uns zu einer Gemeinschaft zusammengefügt, damit wir gemeinsam im Gebet leben und so dem Frieden Christi allen Raum geben in uns und in der Welt.“ (aus unserer Schwesternregel)
Wenn ich davon ausgehe, dass jede Gemeinschaft so etwas wie ein „Gründungscharisma“ hat, dann war das für unsere ersten Schwestern der Ruf, den Frieden des auferstandenen Christus zu empfangen und in die Welt hineinzutragen. Es ging dabei zuerst um einen inneren, geistlichen Weg, nicht in Ablehnung menschlicher und politischer Friedensbemühungen, sondern gerade im Erkennen, dass diese Bemühungen immer zum Scheitern verurteilt sind, wenn und solange wir Menschen die alten bleiben. Durch ein Leben im Gebet können Menschen umgewandelt und zu Trägerinnen und Trägern des Friedens werden. Das ist aber immer Geschenk und Gabe, nicht unsere Leistung.
Jede Schwester bemüht sich um ein Leben im Gebet, das ihrer Art und ihrer äußeren Lebensform entspricht. Da dies unser gemeinsamer Auftrag ist, betrachtet sie das nicht als ihre Privatsache, sondern gibt der Gemeinschaft daran teil.
Einige kurze, formulierte Gebete am Tag und ein längeres Fürbittgebet für unsere Schwesternschaft am Sonntag sind verbindlich, ebenso einmal jährlich die Teilnahme an einer unserer schwesternschaftlichen Retraiten. Diese Gebete verbinden uns ganz konkret miteinander.
Wenn wir als Gemeinschaft zusammenkommen – alle zusammen oder in Teilkonventen – ist unser Zusammensein immer vom Rhythmus der Stundengebete geprägt.
Für viele von uns schließt der Auftrag des Friedens Christi einen aktiven Einsatz für unsere friedlose Welt mit ein. Wir geben uns an diesen Engagements teil und bestärken uns gegenseitig darin.
Auch in unseren schwesterlichen Beziehungen will sich der Friede Christi immer wieder neu konkretisieren. In unseren Verschiedenheiten ( Alter, Lebenssituationen, Charakter, spirituelle und theologische Ausprägungen), in denen wir uns auch immer wieder aneinander reiben, ist uns ein weites Übungsfeld dafür gegeben.
„Gott hat uns gerufen zu einem Leben völliger Hingabe, so wie wir sind, damit Er über uns verfügen und uns brauchen kann zu Seinem Dienst. Unsere Hingabe findet ihren Ausdruck in den drei geistlichen Grundhaltungen:
Reinheit als völliges Offensein vor Gott,
Armut als willige Abhängigkeit von Gott,
Gehorsam als totale Freiheit für Gott.“ (aus unserer Schwesternregel)
Leben im Gebet will uns umgestalten: Vom Kreisen um uns selbst zur Offenheit zum Du (Reinheit/Keuschheit), vom Festhalten zum Loslassen und Hingeben (Armut) und vom Beharren auf eigenmächtige Selbstbestimmung zu kreativ dienender Freiheit (Gehorsam). Damit hat unsere Schwesternregel die „evangelischen Räte“ fürs monastische Leben – Armut, Keuschheit und Gehorsam – für uns in ihrem biblischen Sinn so entfaltet, wie sie als Grundhaltungen für jede Christin, jeden Christen gelten können. Unsere Regel widmet jeder der drei Grundhaltungen ein eigenes Kapitel, mit einer Fülle von geistlichen Anregungen und konkreten Umsetzungen. Dabei geht es nicht um zu erbringende Leistungen oder um Vorschriften sondern um die Einladung, diesem Umgestaltungsprozess konkret an uns geschehen zu lassen in allen Bereichen unseres Lebens und unserer Existenz.
Alle drei Regelkapitel über die geistlichen Grundhaltungen bringen zunächst die jeweilige Grundhaltung konkret mit dem Gebet in Bezug. Für ein auf die Länge und in Treue geführtes Leben im Gebet sind die dort zu findenden Gedanken und Anregungen eine ganz wertvolle Hilfe.
Im Regelkapitel der Reinheit werden als Lebensbereiche, die von dieser Grundhaltung besonders berührt sind, benannt: alle unsere menschlichen Begegnungen, konkret auch die unter uns Schwestern, der gesamte Bereich Geschlechtlichkeit und Sexualität und der Bereich der Seelsorge.
Das Regelkapitel der Armut lädt uns ein, unseren ganzen Alltag immer wieder dazu zu nutzen, auf ein Festhalten an unseren eigenen Plänen, Leistungsansprüchen, Maßstäben u.ä. zu verzichten und uns damit auf den verschiedensten Ebenen in der Grundhaltung des Hingebens und Loslassens einzuüben. Als ein eigener Bereich wird unser Verhältnis zu unserem Besitz benannt.
Auch im Regelkapitel des Gehorsams wird zuerst unser Alltag als Übungsfeld breit entfaltet. Aber auch unser Leben in der Schwesternschaft wird durch diese Grundhaltung des schöpferischen Gehorsams vor Gott geprägt: Im Einbringen von Gaben, Zeit und Kraft und im Sich-Einfügen in eine Gemeinschaft von Schwestern, die nicht immer alles so sehen und entscheiden werden wie ich es mir wünschen würde.
Da unsere Regel bewusst darauf verzichtet, konkrete Anweisungen zu geben, sind wir in der Schwesternschaft immer wieder intensiv im Gespräch über die konkrete Umsetzung einzelner Bereiche oder konkreter Punkte.
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