Evangelische Schwesternschaft Ordo Pacis
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Drei Schwestern erzählen:

Sr. Helga Köhler
Sr. Hildegard Behlert
Sr. Erika Fischer

 

 

 

 

FRIEDEN

Heute schon gehasst? Heute schon geliebt?
Heute wiedermal die Zunge gewetzt, sich aufgeregt oder getröstet?
Heute genauso auf zwei Seiten gestanden wie gestern?
Heute sich erkannt?
Heute nicht aufgegeben, dass es morgen anders wird!

Ich war auf der Suche, mein Christsein ganz verbindlich zu leben.
Eine Vorstellung oder Ahnung, wie diese Verbindlichkeit aussehen könnte, hatte ich zunächst nicht. Es war vielmehr eine innere Unruhe, die mich auf den Weg des Suchens schickte.
Mit einem Lächeln erzähle ich gern, dass mich Gott ohne Umwege einfach auf Ordo Pacis fallen ließ.
Vor 20 Jahren wurde ich von der Frau des Superintendenten zu unseren Schwestern nach Schlöben bei Jena geschickt. Und bereits beim zweiten Besuch wusste ich, ich bin angekommen. Mich faszinierte am Ordo Pacis, dass verheiratete, alleinstehende und kommunitär lebende Frauen um den Frieden beteten.
Heute bin ich selbst eine Schwester in der Zerstreuung und lebe unseren Auftrag als alleinlebende Frau, die in Apolda wohnt und arbeitet. Ich bin im evangelischen Stift Carolinenheim als Pflegekraft tätig, wo mir die alten und pflegebedürftigen Menschen sehr am Herzen liegen.
Meine Berufung als Ordo Pacis Schwester zu leben, heisst für mich, nicht aufzugeben, den Frieden Christi in unsere friedlose Welt hineinzutragen. Konkret heisst das manchmal ganz schlicht, die anstrengende Arbeitssituation, die Spannungen im Mitarbeiterteam und die Ohnmacht gegenüber der Bürokratie immer wieder betend vor Christus zu bringen.
Das bedeutet oftmals, den Mut und das Vertrauen zu haben, schwach zu sein, damit Christus selbst wirken kann. Wie beglückend und Versöhnende Brücken möchte ich bauen, innerhalb meiner Familie, bei den Freunden und zwischen den Menschen der reichen und der armen Welt. Ich denke dabei an den Konziliaren Prozess: Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Sich dem Frieden Christi zu öffnen, ist für mich ein ganz unauffälliges Geschehen. Ich kann es nicht in verschiedene Tageszeiten oder Lebenssituationen einordnen, sondern mein Schwestersein vollzieht sich mit meinem ganzen Leben: vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, im profanen täglichen Tun genauso wie in den reinen Gebetszeiten. Dabei mache ich natürlich auch die Erfahrung der eigenen Unvollkommenheit: Wie oft werden doch das Gebet gekürzt und die Meditationszeit verschoben, und wie oft stelle ich sogar fest, selbst die Ursache von Friedlosigkeit zu sein. Damit dann positiv umzugehen und sich neu von Christus auf den Weg stellen und ausrichten zu lassen, sehe ich als Teil meiner unserer Berufung.
Eine innere Heilung des eigenen Unfriedens und eine Stärkung von Leib, Seele und Geist erfahre ich immer wieder in Gottes schöner Natur. So werden das Wandern und Beten oft zu einer Einheit, in der Lob und Dank zu Ihm strömen können. Lob und Dank auch dafür, sich mit Schwestern auf den Weg des Friedens zu wissen und sich gegenseitig in der Berufung zu stärken.
Ich bete um den Mut und das Vertrauen, damit wir heute nicht aufgeben, dass morgen der Friede Christi möglich wird.

Sr. Helga Köhler

 

 

 

 

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Mein Weg in die Schwesternschaft Ordo Pacis –
das Leben einer Schwester in der „Zerstreuung“

Ich stamme von einem kleinen Bauernhof in einem Dorf der Thüringischen Rhön, nach dem Krieg zunächst sowjetisch besetzte Zone, später Sperrzone der DDR. Das Familienleben war geprägt durch Einfachheit und viel Arbeit in Feld und Hof, auch für uns Kinder. Wir waren keine sehr fromme Familie. Der Gottesdienst am Sonntag war wichtig, teilnehmen konnte aber nur der Grossvater mit uns Kindern. Die Bibel war so wertvoll, dass sie verschlossen im Schreibschrank des Grossvaters aufbewahrt wurde. Das Leben auf dem Dorf war trotz der Arbeit schön.

Die Konfirmation erlebte ich als tiefes, einschneidendes Erlebnis, ich wollte für Gott da sein. So erlernte ich im Diakonissen - Mutterhaus den Beruf einer Krankenschwester. Trotz mancher Enttäuschung und Desillusionierung wurde die Sehnsucht nach Gott immer grösser, ich war auf der Suche nach geistlichem Leben.

Bei einer Rüstzeit lernte ich eine Pastorin kennen, die Schwester von Ordo Pacis war. Sie bot auch Retraiten, Schweige-Einkehrzeiten, an. Eine solche Retraite mitzumachen, kostete mich etliche Überwindung, aber danach wusste ich: das ist es, was ich suche! Einfach still zu werden, vor Gott sein, so sein dürfen, wie ich bin, ohne Erwartung und Leistungsdruck, mit andern gemeinsam beten. Auf diesem Weg lernte ich nach und nach auch andre Ordo Pacis Schwestern kennen, aber es dauerte Jahre, bis ich den Schritt in die Schwesternschaft machte. Nach vierjähriger Probezeit wurde ich eingesegnet und trage nun wie die eingesegneten Schwestern eine Kette mit dem Kreuz unsrer Gemeinschaft.

Ich lebe in einer kleinen Wohnung und bin als Krankenschwester in der häuslichen Krankenpflege in einer Sozialstation mit ca. 25 Mitarbeiterinnen angestellt. Mein Alltag verläuft ganz normal. Ich beginne den Tag mit einer stillen Zeit und unserem Morgengebet. An einem Vormittag habe ich 10 - 15 alte und kranke Menschen zu versorgen. In aller Anspannung versuche ich, meine Arbeit in Ruhe zu machen, wenig zu reden, mehr zu hören auf das, was die Patienten zu sagen haben, mich üben im Annehmen von Kritik. In den Zwischenzeiten – auf dem Weg zur nächsten Patientin - versuche ich im Auto, kurze Sätze aus den Psalmen oder aus der Morgenlesung zu wiederholen. Manchmal ist es auch nur ein Stoßseufzer, das Bedürfnis, mitten in dem Vielerlei der Gedanken der Gegenwart Gottes bewusst zu werden. Der Nachmittag ist voll mit Arbeiten im Haus, mit Besuchen, Gemeindeveranstaltungen und an zehn Tagen im Monat ist abends noch einmal Dienst. angesagt. Den Tag beschließe ich mit dem Rückgabegebet, das jede Schwester betet. Am Sonntag beten alle Schwestern das Schwesterngebet. Unsre Berufung ist es ja, dem Frieden Christi Raum zu geben in der Welt; so verstehe ich auch mein Leben mitten in den alltäglichen Situationen: einfach d a z u s e i n, auszuhalten, den Frieden Christi durch das tägliche Gebet zu empfangen und ihn durch mein Sein und meine Art zu leben weiterzugeben.

Sr. Hildegard Behlert, Jahrgang 1952

 

 

 

 

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Ordo Pacis - ein Zusammenschluss von Frauen verschiedener Lebensformen

Ich lernte Ordo Pacis Anfang der 1970iger Jahre als junge Frau kennen. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits verheiratet. Zusammen mit meinem Mann hatte ich gemeinschaftliches Leben in Taizé kennengelernt und später in der Arche, einer christlichen Lebensgemeinschaft für Behinderte und Nichtbehinderte. Aber ein Leben in Gemeinschaft als Familie erwies sich nicht auf Dauer als unser Weg.
An der Schwesternschaft Ordo Pacis faszinierte mich von Anfang an, dass sie ein Zusammenschluss von Frauen verschiedener Lebensformen war – also auch mir als verheirateter Frau offenstand – in der Beten ein ganz zentrales Thema war. Ordo Pacis war damals der einzige Ort, wo ich mich mit meiner Sehnsucht verstanden fühlte, im Gebet und vom Gebet her zu leben.
Aus dieser ersten Begegnung ist ein langer Weg in und mit der Schwesternschaft geworden. Was mich damals angezogen hat, ist tragend geblieben.
In den ersten Jahren war ich hauptsächlich Lernende: Durch den intensiven Austausch mit anderen Schwestern, durch die Aneignung unserer Schwesternregel und durch persönliche geistliche Begleitung erfuhr ich prägende Impulse für mein geistliches Leben. Dass sich diese Vertiefung von Leben im Gebet immer auch auswirkt in sozialen Engagements und in meiner Familie fand und finde ich selbstverständlich. Mein Mann und die Kinder (die inzwischen erwachsen sind) gehören nicht zur Schwesternschaft, sie sind aber zu manchen Treffen eingeladen, wenn sie es möchten.
Diese Zeit des Lernens und des Hineinwachsens ist mir im Rückblick ganz wichtig: Da war eine Gruppe, die nicht zuerst an mir unter der Frage interessiert war, was ich für sie tun kann, sondern die mich ermutigte und darin begleitete, dass das bewusste Wachsen in einer liebenden Beziehung zu Gott ein Wert in sich ist. Nur was ich ganz in mich selber aufgenommen habe, so habe ich inzwischen gelernt, kann ich wirklich glaubhaft weitergeben.
Nach und nach wuchs ich in Verantwortung und Aufgaben hinein: zuerst in Arbeitsgruppen, später in den im Aufbau befindlichen Schwesternrat. Viele Jahre lang habe ich in Familie, Beruf und Schwesternschaft gelebt. Meine Familie hat das immer gut mitgetragen. Dem zeitweiligen Verzicht auf meine Anwesenheit stand für sie die Erfahrung gegenüber, dass dieser schwesternschaftliche Lebensbereich auch viel Bereicherung mit sich brachte. Vor acht Jahren wurde ich in das Amt der Leitenden Schwester gewählt, und in der Folge entschied ich mich zuerst für eine Reduzierung, später für ein Aufgeben meiner bisherigen Berufstätigkeit.
Leben im Gebet war und ist mein durchgehendes Lebensthema. Immer noch kommen dafür aus wesentliche Anstöße aus der Schwesternschaft. Daneben habe ich im Lauf der Zeit auch von anderer Seite wichtige Impulse bekommen, die mehr in Richtung christliche Meditation und kontemplatives Beten gehen. In dieser Art des Betens bin ich inzwischen ganz zu Hause. Die täglichen langen Zeiten für das Sitzen in der Stille kann ich mir aus meinem Leben nicht mehr wegdenken. Sie sind der Ort, wo ich immer wieder neu mit Gott als dem eigentlichen Sein in mir und in allem was ist in Berührung komme und wo Heilung und Wandlung geschieht.
Inzwischen ist für mich klar geworden, dass ich nicht wieder in meinen bisherigen Beruf zurückkehren möchte, in dem ich lange als Heilerzieherin leitend im Bereich der Behindertenhilfe tätig war. So habe ich in diesem Jahr eine Langzeitfortbildung für Geistliche Begleitung und die Begleitung von Exerzitien begonnen. Ich möchte im Haus der Stille und Begegnung unserer Schwesternschaft, aber auch an anderen Orten, etwas von meiner langjährigen Erfahrung weitergeben.

Abschließen möchte ich meine persönliche Vorstellung mit ein paar Gedanken zu dem Bild, das ich für die Gestaltung dieses Beitrags gewählt habe. Das Motiv des Labyrinths ist für mich schon lange ein Gleichnis für mein und unser Leben. Ein Labyrinth ist kein Irrgarten, d.h. der Weg zur Mitte hin mag zwar verschlungen sein und in Umwegen verlaufen, aber er hat ein klares Ziel. Und dieses Ziel ist nicht außerhalb meiner selbst sondern in mir zu finden. Gleichzeitig weist das Kreuz in der Mitte über unsere eigene kleine Begrenztheit hinaus auf eine andere, größere und umfassendere Realität, die ich im Kreuz Jesu Christi und auch in meinen Mitmenschen wiedererkennen kann. Der Weg des Betens ist in der Mitte nicht zu Ende, sondern er führt zurück in die Welt und zu den Menschen. Innen und außen, Beten und Arbeiten, Kampf und Kontemplation sind eins.

Sr. Erika Fischer, Jahrgang 1954, z. Zt. Leitende Schwester von Ordo Pacis

 

 

 

 

Stand: APRIL 2010

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