Eva-Maria Kriehmig

Jahrgang 1959, wohnhaft in Fürstenwalde/Spree, Physiotherapeutin, eingesegnete Schwester seit 1993

Eva-Maria Kriehmig

Es ist nun 36 Jahre her, dass ich als frisch verheiratete, neugierige junge Frau auf etwas aufmerksam gemacht wurde, das ich zuvor noch nie gehört hatte: Tage im Schweigen in einem abgelegen Dörflein Thüringens. Schlöben. Genau das, was sich eine 21jährige Schnattertasche erträumt … Ganz ehrlich? Mich interessierte alles, was nicht staatskonform war. Alles, womit ich mich abgrenzen konnte von der „breiten Masse“.

Ich fuhr hin mit meinem frischgebackenen Ehemann. Die Stundengebete waren für uns äußerst amüsant. Zwar kamen wir beide als sehr engagierte Gemeindeglieder in der Jugendarbeit, aus einer evangelischen und freikirchlichen Gemeinde, aber mit liturgischem Gebet hatten wir sehr wenig am Hut. Es trug eher zu unserer Belustigung bei. Das Thema schien nach diesem Wochenende abgewählt zu sein.

Nein. Ich meldete mich wieder an, aber allein. Diesmal nahm ich Schwestern wahr und es brannte in mir, von ihrer Geschichte zu erfahren. Beim nächsten Besuch lernte ich Sister Mary, eine Schwester aus der Gemeinschaft „Sisters of the Love of God“ aus Oxford kennen. Voller Energie und Lebensfreude wies sie mir den Weg in Richtung: „Schwestern von Ordo Pacis“. Zuerst bewegten mich arge Zweifel. Ich wusste nicht, ob Gott wirklich EINEN Weg für MICH sehen konnte, der mir derzeit völlig verschlossen war. Aber dann sangen wir gemeinsam die Antiphon:

„Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unseren Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist – halleluja!“

Dieses IST und dieses UNSERE traf mich sehr tief. Es öffnete meine Herzenstür und gab mir mehr und mehr die Gewissheit, dass Gott mich hier haben will. Nicht wegzudenken sind für mich besonders in meiner Anfangszeit Sr. Maria Hladky, Sr. Ruth Schwinge, Sr. Brigitte Stanke und Sr. Ursula Kaiser.

Nun liegt zwischen dieser Zeit und heute ein ganzes halbes Leben. Ein Leben mit vier Kindern, Selbständigkeit, Scheidung, Hausbau, beruflichen und privaten Umzügen, großen menschlichen Verlusten, Schicksalsschlägen und auch vielen, vielen Zugewinnen. Und ebenso sichtbar wie unsichtbar flocht oder webte sich der Segen der Berufung hinein. Der Berufung zu einem Leben im Gebet, gefühlt und gewusst, an der Seite meiner Schwestern. Als die Kinder noch zur Schule gingen, habe ich sie dorthin fahren müssen und auf dem Rückweg täglich mein Hingabe- und Fürbittengebet im Auto gesprochen. Heute hat es einen anderen Platz. Dafür schlummere ich friedlich im Bett beim Rückgabegebet ein, was früher ganz anders war.

Sicher, „das Band“ der Berufung zeigte sich immer wieder veränderlich in seiner Länge oder Kürze, aber es hielt jeder Veränderung stand. „Die Liebe Gottes IST ausgegossen in UNSEREN Herzen.“ Sie führt mich selbst dann zu meinen Aufgaben hin, wenn ich einen Umweg gewagt habe oder mich eine Zeitlang unsichtbar machen wollte. Sie ist es, die mir Freude an den anderen Schwestern offen hält , mehr als sie zu tragen aufgibt. Sie eröffnet mir das Geschenk der Gemeinschaft, die mich zu geben und zu nehmen lehrt.

Ich glaube, dass ich nie aufhören kann zu fragen und zu suchen. Ich meine am meisten zu lernen, wenn ich „in Schleifen unterwegs“ bin statt schnurgerade. Das hat mir auch mein Jakobsweg gezeigt, den ich im letzten Jahr sechs Wochen lang gegangen bin. Und doch gibt es mehr als ein Zuhause für mich, die unschätzbar wichtig für mein Leben sind. Und dazu gehört meine Schwesternschaft.

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