Freundesbrief 2017: Zum Geleit

Reinheit ist das Thema dieses Freundesbriefs 2017. Es ist ein wichtiges Thema für uns, steht für eine grundlegende Lebenshaltung und hat mit der Beschreibung eines Zustands relativ wenig zu tun.

Von Sr. Annette Link am 15. Juni 2017

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freundinnen und Freunde unserer Schwesternschaft,

Reinheit ist das Thema dieses Freundesbriefs 2017. Es ist ein wichtiges Thema für uns, steht für eine grundlegende Lebenshaltung und hat mit der Beschreibung eines Zustands relativ wenig zu tun. Ein ganzes Kapitel unserer Regel beschäftigt sich mit der Reinheit als geistlicher Grundhaltung. Es trägt die Überschrift: „Reinheit als völliges Offensein vor Gott.“

Unsere Regel, die in diesem Jahr vierzig Jahre alt wird, stellt sich hier in die Tradition der evangelischen Räte. Damit sind Empfehlungen aus dem Evangelium gemeint. Letztlich geht es darum, in verschiedenen Bereichen des Lebens selbstverständlich Gewordenes immer wieder wachsam in den Blick zu nehmen. Sich der Frage zu stellen: Was dient dem Leben in einer konkreten Situation, in die ich als Einzelne oder wir als Gemeinschaft gestellt worden sind? Das Festhalten an dem, was geworden ist, was aktuell gilt, an dem ich vielleicht mitgearbeitet habe und was mir deshalb vertraut und lieb geworden ist …? Oder das Loslassen des Vertrauten?

In den Erzählungen des Evangeliums wird eher zum Loslassen ermutigt, weil wir das Festhalten schneller lernen und besser können. Aber das Los- und Hinter-sich-lassen ist nicht per se das Richtige. Es gibt auch das Loslassen aus einer Haltung der Selbstüberschätzung heraus. Konfrontiert mit der eigenen Realität, sich dann rufen lassen in die Gegenwart Gottes, ist schmerzlich, aber möglich. Auch davon berichtet uns die Bibel.

Was dient meinem oder unserem Leben? Wie handle ich richtig? Wie entscheide ich klug? Was will Gott von mir? Fragen, die nicht immer leicht und eindeutig zu beantworten sind. Da ist es ein Geschenk, Weggefährtinnen und Weggefährten an der Seite zu haben, die mir den notwendigen Anstoß geben, wenn ich mich nicht aufmachen möchte, einen anstehenden Schritt zu wagen. Oder die mich ausbremsen, wenn ich voller Begeisterung die Bodenhaftung verliere und zu hoch hinaus will.

So mühsam die Auseinandersetzungen in einer Gemeinschaft manchmal auch sein mögen, sie helfen, dass wir uns – uns selbst und einander – mit unseren Schwächen und Stärken kennen, ertragen und schätzen lernen.

Zusammen mit anderen lässt sich realistischer einschätzen, wo eine gewachsene Tradition vorübergehend ihren Reiz für mich verloren hat und wann sich tatsächlich etwas überlebt hat, losgelassen werden will, damit Neues werden kann.

Acht Beiträge von Schwestern und unserer Begleitenden Pastorin greifen das Thema Reinheit sehr abwechslungsreich auf:

  • eine Annäherung an das Wortfeld und seinen Kontext;
  • ein Impuls über eine biblische Reinigungsgeschichte;
  • eine Verknüpfung mit Luthers Tauftheologie;
  • ein Erfahrungsbericht über das Rein- und Liebesfähig-gemacht-werden;
  • das Zeugnis einer Selbstwerdung, die liebevoll auf andere blicken lässt;
  • die Erfahrung der Selbsterkenntnis durch die Begleitung einer Mitschwester,
  • ein Aufruf zum Wagnis geistlicher Begleitung und geistlicher Eltern- und Kindschaft
  • ein Bericht über unser Haus der Stille und Begegnung mit aktuellen Eindrücken aus der Arbeit dort.

Ich wünsche viel Freude beim Lesen dieser Beiträge und Anregungen für den eigenen Weg.

Aus dem Leben unserer Schwesternschaft gibt es folgendes zu berichten:

  • Schwester Sibylle Ferner-Brecht hat sich schon im letzten Freundesbrief als Leitende Schwester verabschiedet. Sie hat nach Ende ihrer Amtszeit die Leitungsverantwortung vor Gott und unserer Gemeinschaft zurückgegeben. Zusammen mit ihr blicken wir dankbar auf fünf segensreiche Jahre zurück, in denen sie durch ihre behutsame, wache Präsenz die Vielfalt unter uns gefördert und miteinander in Beziehung gesetzt hat. Durch ihren Einsatz für Versöhnung und Frieden hat sie segensreiche Spuren unter uns gelegt.
  • Im August letzten Jahres hat Gott unsere Schwester Luise Wente im Alter von 93 Jahren heimgerufen. Schwester Luise war 56 Jahre lang Schwester von Ordo Pacis und gestaltete in dieser Zeit unsere Gemeinschaft mit. 1964 trat sie in die Kommunität Cella St. Hildegard ein und hat durch ihr Leben dort sehr viele Menschen im Gebet und seelsorgerlich begleitet. Nach Auflösung der Kommunität 2004 fand sie ein neues Zuhause bei den Schwestern vom Mutterhaus Sarepta in Bethel. Wir danken den Schwestern und allen in Bethel, die unserer Schwester in diesen Jahren ein neues Zuhause gegeben und sie bis zuletzt so liebevoll und schwesterlich begleitet haben.

Ihnen danke ich für Ihr Interesse an unserer Gemeinschaft und an unserem Dienst, für Ihr Beten und Begleiten, für alle finanzielle und tatkräftige Unterstützung unserer Arbeit.

In herzlicher Verbundenheit
Schwester Annette Link

Volltextsuche