Helga Köhler

Jahrgang 1956, wohnhaft in Apolda, Thüringen, Altenpflegehelferin, eingesegnete Schwester seit 1989

Heute schon gehasst? Heute schon geliebt?
Heute wiedermal die Zunge gewetzt, sich aufgeregt oder getröstet?
Heute genauso auf zwei Seiten gestanden wie gestern?
Heute sich erkannt? Heute nicht aufgegeben, dass es morgen anders wird!
Helga Köhler

Meine Berufung als Ordo Pacis Schwester zu leben, heißt für mich nicht aufzugeben, den Frieden Christi in unsere friedlose Welt hineinzutragen. Konkret heißt das manchmal ganz schlicht, die anstrengende Arbeitssituation, die Spannungen im Mitarbeiterteam und die Ohnmacht gegenüber der Bürokratie immer wieder betend vor Christus zu bringen.

Das bedeutet oftmals, den Mut und das Vertrauen zu haben, schwach zu sein, damit Christus selbst wirken kann. Wie beglückend und reichmachend ist es, dann zu erleben, wie sich fest verschlossene Türen wieder öffnen und Dialoge möglich sind. Ein Lächeln, ein freundliches Gesicht können sehr viel ausrichten. Versöhnende Brücken möchte ich bauen, innerhalb meiner Familie, bei den Freunden und zwischen den Menschen der reichen und der armen Welt. Ich denke dabei an den Konziliaren Prozess: Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Sich dem Frieden Christi zu öffnen, ist für mich ein ganz unauffälliges Geschehen. Ich kann es nicht in verschiedene Tageszeiten oder Lebenssituationen einordnen, sondern mein Schwestersein vollzieht sich mit meinem ganzen Leben: vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, im profanen täglichen Tun genauso wie in den reinen Gebetszeiten. Dabei mache ich natürlich auch die Erfahrung der eigenen Unvollkommenheit: wie oft wird doch das Gebet verkürzt oder die Meditationszeit verschoben, und wie oft stelle ich sogar fest, selbst die Ursache von Friedlosigkeit zu sein. Damit dann positiv umzugehen und sich neu von Christus auf den Weg stellen und ausrichten zu lassen, sehe ich als Teil meiner – unserer Berufung.

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