Ursula Peters

Jahrgang 1933, wohnhaft in Hamburg, Rentnerin, eingesegnete Schwester seit 1973

Ursula Peters

Mein Glaube als Jugendliche war geprägt durch eine pietistische Frömmigkeit. Durch die Auseinandersetzung mit der historisch-kritischen Bibelauslegung in meinem Schmalspur-Theologie-Studium fand ich mich herausgefordert, „Brückenbauerin“ zu werden zwischen Gemeinde-Frömmigkeit und moderner Theologie. Daraus wuchs für mich der umfassendere Ruf, Frieden und Versöhnung zu leben, der sich in der Schwesternschaft weiter vertiefte.

Aus einem Freundesbriefbeitrag von Sr. Ursula aus dem Jahr 2013:

Wenn ich zurückschaue auf meine 10 Jahre als Leitende Schwester von Ordo Pacis, dann sind meine eindrücklichsten Erinnerungen mit unserer Jahrestagung Mitte September 1989 in Ostberlin verbunden. Wir hatten geplant, uns wie in allen Jahren zuvor seit dem Bau der Mauer in Ostberlin zu treffen, indem die Schwestern aus dem Westen jeweils täglich mit einem Tagesvisum nach Ostberlin einreisten. Die Situation in der DDR hatte sich damals kurz vor dem Zusammenbruch des Staates aber durch die stattfindenden Demonstrationen, Bittgottesdienste und Mahnwachen, die anhaltende Fluchtwelle über Ungarn und den versuchten Sturm auf die durch Dresden fahrenden Flüchtlingszüge so verschärft, dass bis zum letzten Augenblick vor unserem Treffen ungewiss war, ob wir Westdeutschen überhaupt nach Ostberlin würden einreisen dürfen.

Als es dann doch klappte, war dennoch „nichts wie immer“; denn wir mussten erst einmal sehr miteinander ringen, wie wir angesichts der Brisanz der politischen Situation, die unsere Schwestern aus dem Osten so hautnah erlebten und erlitten, eigentlich unser Zusammensein gestalten sollten. Vor allem beschäftigte uns auch die Frage, ob es nicht angemessen sei, jetzt auf die anstehende Einsegnung zweier Schwestern zur endgültigen Aufnahme in die Schwesternschaft zu verzichten, weil jegliches Feiern derzeit unangebracht sei ...

Wir haben unser vorgesehenes Programm dann so umgestaltet, dass wir uns am ersten Vormittag viel Zeit nahmen für einen persönlichen Austausch in Kleingruppen über das, was jede „mitgebracht“ hatte nach Berlin. In der anschließenden Messe gab uns dann zu Beginn eine unserer Schwestern aus Ostberlin persönlichen Anteil an ihren Erfahrungen, Hoffnungen und Ängsten angesichts der politischen Entwicklung, und wir konnten alle im Gottesdienst in ausführlichen persönlichen Fürbitten das vor Gott bringen, was uns bewegte. Und die beiden Probeschwestern – übrigens eine aus der DDR und eine aus Westdeutschland! – wurden am Ende dann doch eingesegnet!

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